Braucht Hoya einen guten Bäcker? - Teil 1

von Dr. Clemens Dillmann, 30.10.2011

Gegenüber der Aral-Tankstelle wurde vor kurzem ein Gebäude abgerissen und jetzt ist dort ein freier Platz. Die Kreiszeitung berichtete in der vergangenen Woche über dieses Grundstück. Mit einem Bild versehen, sagte der Text, dass demnächst eine Bäckerei dort eröffnet werden solle. Okay, Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft auch wenn Bäckerei Uhde bereits zwei Verkaufsstellen betreibt und bei Famila seit Kurzem „Backbord“ seine Backwaren anbietet. Und schließlich gibt es in Bücken auch noch eine Filiale von „Wende“. Also muss kaum jemand darben, weil es zu wenige Angebote an Brot, Brötchen oder Kuchen gibt. Die Qualität der vorhandenen Produkte ließe sich am besten mit einem Begriff aus der Gastro-Szene beschreiben: gut-bürgerlich.

Doch zurück zum leeren Grundstück und dem Bericht der Kreiszeitung. Dieser endet mit einer Aussage des Unternehmenschefs der Bäckerei Deicke, die das Grundstück bebauen und dort eine Bäckerei und ein Café betreiben will. Gefragt wurde er, warum er in Hoya einen Betrieb eröffnen will und die Antwort lautete: „Hoya braucht einen guten Bäcker.“

Diesen Satz kann man auf genau zwei Arten auslegen, entweder hat Hoya nur sehr gute Bäcker und er möchte jetzt einen qualitativ schwächeren Laden aufmachen oder aber Hoya hat bisher nur schlechte Bäcker und er kommt als Erlöser, sprich, als guter Bäcker.

Lassen wir aber mal die Spekulationen beiseite, schauen uns stattdessen an und probieren, was Deicke so bietet. Weit muss man dafür nicht fahren, in Marklohe ist die nächste Filiale. Es ist Samstag, drei Verkäuferinnen stehen in dem kleinen Laden und sorgen für eine flotte und freundliche Abfertigung. Meine Tochter bekommt einen Mini-Croissant geschenkt. Das Brot-Sortiment unterscheidet sich von der Auswahl nicht deutlich von dem der Hoyaer Bäcker. Die Auswahl an Kuchen ist eher klein gehalten, vier Kuchen vom Blech und eine kleine Auswahl von Einzelstücken. Ich kaufe ein Brot, das sehr lecker aussieht, zwei Brötchen, einen Croissant, einen Bienenstich und einen Apfelkuchen. Auch preislich ist alles im Hoyaer Rahmen.

Wieder zuhause werden die Produkte probiert:

  • Der Bienenstich ist mit Sahne hergestellt, schmeckt produkttypisch und bekommt in der Geschmack-Kategorie die Note 2,5
  • Der Apfelkuchen macht optisch keinen sehr leckeren Eindruck, die Streusel sehen eher wie Graubrot aus und leider bestätigt sich der Eindruck auch geschmacklich. Ein uninspirierter Teig, zu starker Zimteindruck bei den Äpfeln und die Streusel… naja. Gesamtnote: 4
  • Das Brot: Optisch macht es gut etwas her! Geschmacklich durchaus ansprechend und produkttypisch. Leider ist es sehr feucht, beinahe „klittschig“, sprich, unausgebacken und deshalb nur die Note 3
  • Das Croissant: leider viel zu dunkel und typisch deutsch, sprich, es hat mit dem französischen Original nicht viel gemeinsam. Note: 4
  • Die Brötchen: Schon die Optik zeigt, dass es sich um Fertigware handelt, also Rohlinge, die im Bäckereiofen vor Ort fertig gebacken werden. Für mich sind das keine RICHTIGEN Brötchen. Sicher gut gemachte Brötchen aus Fertigwaren kann man von Zeit zu Zeit auch mal essen. Aber ein richtiges Brötchen ist etwas, was ich über Jahre beim gleichen Bäcker essen kann. Die bei Deicke gekauften Exemplare sind recht dunkel, allerdings gibt es ja auch Liebhaber dunkler Brötchen. Trotz der kräftigen Farbe haben diese Brötchen nur eine Ahnung von einer knackigen Kruste, so hauchdünn ist sie und die Brötchen bestehen ansonsten aus Teig, der ein wenig an Quarkbällchen erinnert, sprich, er ist nicht leicht und locker, sondern man meint den Rohling im Mund zu haben. Note: 4,5
Fazit: Entweder hat die Bäckerei Deicke für Hoya ein ganz anderes Konzept als für Marklohe oder aber… Die Ankündigung, dass mit Deicke ein „guter“ Bäcker nach Hoya kommt, ist schlicht der Versuch schon im Vorfeld heiße Luft zu produzieren. Einerseits entspricht die Produktqualität in keiner Weise einem solch aggressiven Vorgehen. Andererseits wäre selbst bei absoluter Sterne-Qualität der eigenen Produkte diese Art des Umgangs mit Wettbewerbern einfach schlechter Stil.

Bevor der erste Stein gesetzt wurde, hat Deicke somit in Hoya einen Stil etabliert, den zumindest ich persönlich als völlig unangemessen empfinde. In einer Großstadt, in der man niemanden kennt, da kann man vielleicht so vorgehen und sogar Erfolg damit haben, aber in einer kleinen Stadt werden solche Dinge sehr wohl wahrgenommen und entsprechend bewertet.

Auch wenn Hoya dringend Investoren braucht, stellt sich doch die Frage, ob ein weiterer Bäcker hier eine gute Sache ist, da Bäckereiprodukte bereits in ausreichender Viefalt erhältlich sind. Wenn der neue Bäcker dann auch noch wie geschildert vorgeht, ist die Investition schon von Anfang an mit schweren Hypotheken belastet.
 

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  Fotos zu dem Bericht
(einfach auf das Foto klicken um eine größere Darstellung zu bekommen)


Das Deicke Brot


Die Deicke-Brötchen


Der Deicke-Kuchen


Das Deicke-Coissant


Ein Uhde-Brötchen
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