Braucht Hoya die Wahrheit? (Teil 3 von "Braucht Hoya einen guten Bäcker)

von Dr. Clemens Dillmann, 8.11.2011

Wieder klingelte das Telefon und dieses Mal war die Kreiszeitung bzw. der zuständige Redakteur am Apparat. Erbost fragte er, ob es denn wirklich nötig gewesen sei, einen so scharfen Artikel zu verfassen. Scharf? Als "scharf" empfinde ich selbst diesen Artikel gar nicht. Aber vielleicht meinte er nur den zweiten Teil, nämlich den, der die Zeitungsschelte enthält. Der sagt meiner Meinung nach nur aus, dass Zeitungen generell ungern Geld für eine nachhaltige lokale Berichterstattung ausgeben. Nachhaltig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Journalisten sich mit dem Thema befassen und nicht nur schreiben, dies und jenes sei passiert. Also fragen warum und wieso etwas passiert und die Leser dann auch darüber aufklären. Pech nur, dass oft nicht einmal mehr Geld für richtige Journalisten ausgegeben wird und dass vieles durch Praktikanten erledigt wird.

Aber es sollte in dem Telefonat gar nicht um Zeitungen an sich gehen, sondern mir wurde gesagt, dass sich die zuständige Mitarbeiterin/Kollegin noch einmal an ihre Aufzeichnungen gesetzt habe und dort stünde, wie es auch im Artikel stand, dass "Hoya einen guten Bäcker braucht". Das Wort "noch" sei nicht Teil des Satzes gewesen und warum ich denn Herrn Deicke und nicht der Zeitung glaube. Ich erklärte, dass entweder die Bäckerei Deicke einen aggressiven Stil pflege oder aber eben nicht. Wenn dem so sei, wäre es nicht logisch, dass Deicke sich bei mir meldet und mit mir über die Sache sprechen will. Und pflegt Deicke keinen aggressiven Stil, dann haben sie den Satz eh so nicht gesagt, wie er von der Kreiszeitung veröffentlicht wurde.

Da ich selbst nicht persönlich bei dem Gespräch dabei gewesen bin, kann ich nur nach der Logik entscheiden... naja, das leuchtete dem Herrn von der Kreiszeitung ein. Nun hieß es plötzlich, dass so ein einzelnes Wort doch nicht viel ausmache, warum ich denn überhaupt darüber so viel schriebe... Das ließ mich dann hellhörig werden und ich fragte den Anrufer ob er denn Germanistik studiert hätte? Nein, hatte er nicht. Da erwiderte ich, das sei auch nicht nötig, denn ob ich sage "Hoya braucht einen guten Bäcker" oder ob ich sage "Hoya braucht noch einen guten Bäcker", macht einen derartigen Unterschied, dass nun wirklich JEDER darüber stolpern muss. Wieder war der Anrufer konsterniert... und fing deshalb wieder von vorne an, warum es denn nötig sei, so scharf zu schreiben... Damit wir uns nicht in einer Endlosschlange bewegten begründete ich den Stil noch einmal kurz und beendete das Gespräch mit dem Hinweis, ich könne Herrn Deicke noch einmal befragen.

Aber wie sieht denn nun die Wahrheit aus? Wer hat Recht, wer hat Unrecht? Es wird sich nicht mehr anhand unumstößlicher Tatsachen beweisen lassen, wer was gesagt oder eben nicht gesagt hat. Es bleibt also nur übrig die Umstände zu bewerten und daraufhin ein Urteil zu treffen. Da ist auf der einen Seite eine Zeitung, über deren Qualität sich ja jeder täglich selbst ein Bild machen kann.
Mein letzter Eindruck wurde von der Berichterstattung über den Stadtrat von Verden geprägt. Der entsprechende Artikel besaß eine fette, zweizeilige Überschrift, die besagte, dass der DEHOGA-Vertreter offenbar nicht bei allen Ratsmitgliedern gleichermaßen beliebt sei. Der wesentlich wichtigere Fakt, dass die NPD im Rat sitzt und einen Vorsitzenden stellt, wurde mit einem nichtssagenden Nebensatz im Artikel erwähnt und es wurde überhaupt nicht erklärt wie es zu einem solchen Skandal kommen kann. So viel zur Kreiszeitung. Aber natürlich bin ich gerne bereit, der Kreiszeitung an dieser Stelle Gelegenheit zu geben, sich selbst noch einmal zum "Bäckartikel" zu äußern.
Ich persönlich glaube lieber einem Bäcker, der sich in Hoya etablieren möchte und der sagt, seine Äußerung der Kreiszeitung gegenüber sei klipp und klar gewesen: „Hoya braucht noch einen guten Bäcker.“

p.s. Nachtrag 10.11.2011: Die Kreiszeitung meldete sich eben noch einmal telefonisch und ein etwas atemloser Mitarbeiter betonte, es sei sehr, sehr wichtig, dass nicht Christian Deicke sondern Heinrich Deicke interviewt worden sei. Und bevor er sich weiter von mir beleidigen liesse, übergebe er jetzt "den Fall" seinem Chefredakteur und der werde sich dann sicher bei mir melden. Nach dem Motto, Herr Dillmann, Sie werden jetzt die Konsequenzen zu tragen haben."

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zu Teil 1 und zu Teil 2

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